Buchvorstellung Timo Büchner: „Der Begriff Heimat in rechter Musik“

Der Kampf um die Deutungshoheit des Heimatbegriffs wird nicht nur auf der Straße, im Netz und in den Parlamenten geführt – sondern auch in der Musik. Der Einblick in verschiedene Spektren der rechten Musik zeigt: Die vermeintlich unpolitische Deutschrock-Band „Frei.Wild“, die neurechten Rapper „Komplott“ und „Chris Ares“ sowie der neonazistische Liedermacher „Frank Rennicke“ verbreiten ein völkisches Heimatverständnis, das für eine vielfältige Gesellschaft brandgefährlich ist.

Veranstaltung am 13.03.2020 – 19:30 Uhr
Wo: Buchhandlung Moritz und Lux, Gänsmarkt 3. Bad Mergentheim
Eintritt frei, Anmeldung: 07931/51088

Presseartikel: Neonazis keine Bühne bieten

Informationsveranstaltung des Netzwerk gegen Rechts Main-Tauber

Boxberg. Ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis aus Parteien und Organisationen hatte eingeladen, um über ein gleichzeitig stattfindendes Black Metal-Konzert in Bobstadt zu informieren. Die Sitzplätze reichten nicht für alle, die zur Informationsveranstaltung des Netzwerks gegen Rechts Main-Tauber ins Alte Rathaus von Wölchingen gekommen waren.

Eingestimmt wurden die Zuhörer von der Band „MARBACHER“ mit einem Lied, in dem der Refrain lautete „heute ist nicht gestern, dies ist eine andere Zeit, vor der Rückkehr der Faschisten, bewahrt uns die Einigkeit“. Stefan Heidrich bedankte sich einleitend für das Netzwerk bei den Musikern, beim Referenten des Abends Timo Büchner, bei allen Mitveranstaltern und insbesondere bei den beiden Gemeinderäten Peter Löffler und Stefan Wilhelmi, die den Raum zur Verfügung stellten. Ohne deren Unterstützung hätte die Veranstaltung nicht stattfinden können.

Timo Büchner, Politologe und Hauptredner des Abends, ging zunächst auf die Vorgeschichte ein. Im September 2016 hatte derselbe Veranstalter die Band „Permafrost“ zu einem Open-Air-Festival bei Bobstadt eingeladen. Diese Gruppe ist dem National Socialist Black Metal (NSBM) zuzurechnen und im Verfassungsschutzbericht von Sachsen-Anhalt ausdrücklich als rechtsextrem erwähnt. Nebenprojekte des Sängers beziehungsweise Schlagzeugers seien Bands wie „Heiliges Reich“, „Kraftschlag“, „Killuminati“ oder „Endless Struggle“. Der damaligen Aufforderung, „Permafrost“ nicht spielen zu lassen, sei der Organisator nicht nachgekommen. Auch Gespräche mit dem Bürgermeister, dem Ortsvorsteher und der Polizei hätten den Auftritt nicht verhindert. NSBM ist laut Büchner ein kleiner Bereich innerhalb des Black Metal mit einem Anteil von etwa fünf Prozent, der in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts entstand. An Hand von Bildschirmfotos wies Timo Büchner nach, dass der Veranstalter Heiko G. im Zuge des Festivals einen Draht zu Hendrik Möbus hatte. Der verurteilte Mörder, Gründer und Sänger der Band „Absurd“ sei ein wichtiger Akteur in der NSBM-Szene. Möbus vertreibe unter anderem Tonträger von „Permafrost“ und betätige sich als Veranstalter von NSBM-Konzerten. Im Anschluss an das Open-Air-Konzert 2016 habe Möbus dem Veranstalter Tipps gegeben, wie er mit der Kritik der Zivilgesellschaft umgehen soll.

Beim aktuellen Konzert „Groll der Allmacht“ in Bobstadt „tritt keine NSBM-Band auf“, stellte Büchner fest, „aber eine Band mit klar nachweisbaren Bezügen ins rechtsextreme Milieu“. Der Sänger der Gruppe „liked bei Facebook NSBM-Bands, NPD-Politiker und Rechtsrock-Bands wie „Stahlgewitter“, was Büchner mit Bildschirmfotos belegen konnte. Die Gruppe „Eishammer“ habe ein Album mit dem Titel „Söhne Teuts“ veröffentlicht, in dem man eine Anspielung auf den Titel „Teuts Söhne“ der rechtsextremen Band „Lunikoff-Verschwörung“ sehen könne. Die Texte von Eishammer bezögen sich auf germanische Mythologie und seien doppelt interpretierbar, was von Rechtsextremen gerne genutzt werde.

Der Musikrichtung des Black Metal warf der Referent eine fehlende Abgrenzung gegenüber dem NSBM vor. Es fänden immer wieder gemeinsame Konzerte mit Rechtsrock- und NSBM-Bands statt. „Ich finde es erschütternd“, beklagte Büchner, „dass man es so schwer hat, gegen solche Konzerte vorzugehen“. Die Fakten lägen auf dem Tisch, deutschlandweit gebe es zu wenig Abgrenzung zum Rechtsextremismus. Die Zivilgesellschaft müsse jetzt klare Kante zeigen.

Für den Evangelischen Kirchenbezirk Adelsheim-Boxberg ging Dekan Rüdiger Krauth auf das Motto des Black Metal-Konzerts „Groll der Allmacht“ ein. „Warum Groll?“, fragte er. „Gibt es Anlass zum Grollen in einer Gesellschaft, in der der Wohlstand noch nie so groß war, in einer Gesellschaft, in der alle von den demokratischen Grundwerten profitieren?“ Er sehe vielmehr Grund zur Dankbarkeit für die Grundwerte unseres Grundgesetzes. Er wolle diese Werte verteidigen – nicht aus Zorn, sondern aus Vernunft.

Für den DGB Kreisverband Main-Tauber sprach Silke Ortwein, die befürchtete, „dass bei einigen Menschen das Desinteresse bereits durch Angst abgelöst wird“. Sie wagten nicht mehr, sich den Rechten entgegenzustellen, weil sie befürchten, in diesem Fall selbst nicht mehr dazuzugehören oder Repressalien zu erfahren. Denn Einschüchterung gehöre bei den Rechten dazu. Sie forderte dazu auf, Rechten keine Bühne zu bieten und deren Aktivitäten nicht mehr stillschweigend zu dulden. „Treten wir ein für eine offene und demokratische Gesellschaft“, forderte Ortwein.

Thomas Tuschhoff von den Grünen Main-Tauber erinnerte daran, dass rechtes Denken den Morden vorausgehe. Deshalb sei es besonders wichtig, dass die Zivilgesellschaft aufmerksam dafür sei und entschieden widerspreche. „Es kann uns nicht gleichgültig sein“, meinte Tuschhoff, „wenn in unserer Gegend Rechtsextremisten eine Bühne geboten wird“. Er dankte allen Anwesenden dafür, dass sie mit ihrem Kommen ein klares Stoppsignal dafür gesetzt hätten.

Die Vertreterin der Linken, Smilla Huck, zitierte einen Text der Band Eishammer: „Weit offen sollen die Schwingen stehen | Verräter wollen wir blutig fliegen sehen | Elendig krachend die Knochen drehen | Wenn sie versuchen Hels Qualen zu bestehen“. Darin werde Gewalt verherrlicht und legitimiert. Zudem kritisierte Huck den Sexismus und die Frauenfeindlichkeit dieser Gruppe. Männern werde die Rolle des starken, kriegerischen und gewaltgeilen Machtwesens zugeteilt, während Frauen als schwache Begleitstücke ihrer männlichen Partner verstanden werden.

Thomas Kraft, der Kreisvorsitzende der SPD, meinte, dass es um die Verteidigung unserer Werte gehe. Er zitierte den Spiegel, der in der AfD „den parlamentarischen Arm des Rechtsextremismus“ sehe. Diese Partei sei menschenverachtend und demokratieschädlich. Dem müsse mit einer klaren Haltung entgegen getreten werden. Was vor wenigen Tagen bei der Wahl des Ministerpräsidenten in Thüringen geschah, bezeichnete er als „schändlich“.

Für die Jusos sprach Xenia Heckmann. Sie berichtete, dass Rechtsrockkonzerte nach Ansicht des Verfassungsschutzes „die wichtigsten Vernetzungstreffen für Nazis“ seien. Dagegen müsse man demonstrieren und dürfe auf keinen Fall „den Ball flach halten“. Rechtsrock sei nicht normal und dürfe nicht normal werden. Heckmann sprach sich für eine offene und tolerante Gesellschaft aus, für die man noch enger zusammenstehen müsse.

Abgeschlossen wurde die Veranstaltung von den MARBACHERN mit Liedern, die sich gegen Rechtsextremismus aussprechen.

Neonazis KEINE Bühne bieten

Informationsveranstaltung zum Konzert „Groll der Allmacht“

Im Sportheim des TSV Bobstadt findet am Samstag 15. Februar unter dem Motto „Groll der Allmacht“ ein Black Metal-Konzert statt. Neben anderen wird dort die Band „Eishammer“ auftreten. Deren Sänger hat enge Verbindungen ins rechtsextreme Milieu. Mit einer Informationsveranstaltung will das Netzwerk gegen Rechts Main-Tauber in einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis mit Parteien, Gewerkschaften und Organisationen darüber aufklären. Als Referent konnte der Politologe Timo Büchner gewonnen werden, der sich wissenschaftlich intensiv mit rechtsextremen Bands und deren Texten beschäftigt hat. Zusätzlich wird es Stellungnahmen aus der Politik und der Zivilgesellschaft geben. Musikalisch eingerahmt wird die Veranstaltung von politischen Liedern der Gruppe „Marbacher“. Ziel der Veranstaltung ist, auf rechtsextreme Aktivitäten in der Umgebung aufmerksam zu machen und dafür zu sensibilisieren. Es muss Aufgabe der Zivilgesellschaft sein, diesen entgegen und aktiv für die Werte unseres Grundgesetzes einzutreten.

Die Veranstaltung findet am Samstag 15. Februar 2020 um 19 Uhr im Alten Rathaus in Boxberg-Wölchingen statt.
Der Eintritt ist frei.

Kontext-Wochenzeitung: Wir schweigen nicht

Seit anderthalb Jahren liegt Kontext mit einem Neonazi im Rechtsstreit. Marcel Grauf, tätig für zwei AfD-Abgeordnete im Landtag von Baden-Württemberg, zerrt die Kontext-Wochenzeitung erneut vor Gericht – mit sechsstelligem Kostenrisiko für die Redaktion. Doch sie lassen sich nicht mundtot machen.

Die Journalistin Anna Hunger hat am 16.05.2019 in einem von uns organisierten Vortrag in Tauberbischofsheim über diesen Angestellten von MdL Dr. Christina Baum (AfD) berichtet. Deswegen verweisen wir ausdrücklich auf das erneute Gerichtsverfahren, den Artikel der Kontext-Wochenzeitung und dem Spendenaufruf.

https://www.kontextwochenzeitung.de/medien/450/wir-schweigen-nicht-6320.html

Anschlag auf das Wahlkreisbüro von Dr. Baum (AfD)

In der Nacht vom 16. auf den 17.10.2019 fand ein Anschlag auf das Wahlkreisbüro von Dr. Christina Baum (AfD) in Tauberbischofsheim statt.
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/heilbronn/Tauberbischofsheim-Unbekannte-attackieren-Buero-von-AfD-Abgeordneten,meldung-afd-buero-farbeutelattacke-100.html

Das Netzwerk gegen Rechts Main-Tauber verurteilt diesen Anschlag scharf und distanziert sich entschieden von der Tat und der Gruppe, die sie durchgeführt hat (https://de.indymedia.org/node/41126). Sie fügen unserer Sache damit schweren Schaden zu weil sie es der AfD ermöglichen, sich als Opfer darzustellen und von ihrem Hass und ihrer Hetze abzulenken. Wir lehnen jede Art von Gewalt ab – unsere Arbeit gegen Rechts findet mit Argumenten statt mit Sachbeschädigungen statt.

Insbesondere verurteilen wir die unerträgliche Drohung im Bekennerschreiben gegen die Privat- und Geschäftsräume sowie die Familie Baum! Wir hoffen, dass der oder die Täter ermittelt und zur Verantwortung gezogen werden können.

Den Mund aufmachen

Endlich sind Ferien. Da geht es langsamer und entspannter zu. Und das genieße ich vom ersten Tag an. Aber es gibt auch ein Thema, das mich belastet. Und weil die Ferien auch Zeit zum Nachdenken bieten, spreche ich heute darüber. Über die Radikalisierung der politischen Rechten bei uns in Deutschland.

„Wehret den Anfängen!“ So lautet eine Warnung, wenn es darum geht, Schlimmes zu verhindern: einen Krieg oder eine politische Gefahr. Was die Radikalisierung der Rechten angeht, fürchte ich, dass es bereits zu spät ist. Da sind wir schon über die Anfänge hinaus. Und das ist fatal.

Seit dem hinterhältigen Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke achte ich noch mehr darauf, was in dieser Szene geschieht. Und ich habe mir vorgenommen, von nun an deutlicher Stellung zu beziehen: gegen alle Gruppen, die unsere Demokratie kaputt machen wollen.

  • Sie missachten unsere rechtsstaatlichen Spielregeln und rufen zur Lynchjustiz auf.
  • Hilfesuchende Fremde, die zu uns kommen, werden zu Menschen zweiter Klasse erklärt.
  • Mit pauschalen Feindbildern werden Sündenböcke gesucht; ganz oft muss „der“ Islam dafür herhalten.
  • Auf den politischen Gegner soll „Jagd gemacht“ werden; so der Wortlaut nach der Bundestagswahl, der laufend bei Kundgebungen der Rechten wiederholt wird. Das hört sich so an, als wäre es normal, den Tod des Gegners mit einzukalkulieren.

Ich kritisiere das ausdrücklich als Christ, weil sich solch eine politische Einstellung nicht mit meinen Werten, nicht mit dem Evangelium vereinbaren lässt. Jesus verkündet einen Gott, der sich eben nicht an den äußeren Umständen wie Hautfarbe, Herkunft oder Glaubensrichtung aufhält. Sein Interesse gilt zuerst immer den Armen, denen, die Hilfe brauchen. Und vor allem: Gewalt ist für ihn nie eine Option. Ich fordere deshalb alle Christen und alle Menschen guten Willens auf: „Haltet nicht mehr still! Schweigt nicht mehr! Es ist höchste Zeit, dass wir dem etwas entgegensetzen.“

Ich weiß, die Parteien, deren Inhalte ich kritisiere, sitzen in fast allen Landesparlamenten. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie demokratisch sind. Ich mache mir große Sorgen, dass es deren Ziel ist, die Parlamente als Sprungbrett zu benützen, um von dort unsere freiheitliche Ordnung zu zerstören.

Ich merke: Wir brauchen ein starkes Bündnis all derer, die sich dieser Unmenschlichkeit, diesem Hass, dieser Gewalt nicht beugen. Das wird nur klappen, wenn alle Institutionen, die unseren Rechtsstaat schützen wollen, an einem Strang ziehen: der Verfassungsschutz, die politischen Parteien, die Kirchen. Und viele einzelne Menschen wie ich.

Thomas Steiger aus Tübingen von der Katholischen Kirche.

Quelle: https://www.kirche-im-swr.de/?page=manuskripte&id=29145 und im Radio SWR1 am 29.07.2019