Versteckter Rassismus

Rassismus. Bisher war immer klar für mich: Damit habe ich nichts zu tun. Wenn andere über „die Ausländer“ sprechen oder wenn Menschen wegen ihrer Hautfarbe blöd hinterhergerufen wird, dann distanziere ich mich natürlich davon. Manchmal sage ich auch was. Aber reicht das?

Vor ein paar Wochen habe ich ein Buch dazu gelesen: „exit RACISM“. Die Autorin Tupoka Ogette ist Schwarze Deutsche und Rassismusforscherin. Zusammen mit anderen sagt sie: Rassismus ist in unserer deutschen Gesellschaft so tief verankert, dass weiße Menschen ihn gar nicht mehr erkennen können. Und das gilt vielleicht gerade für die, die Rassismus entschieden von sich weisen und sagen: Damit habe ich doch nichts am Hut.

Die Augen geöffnet hat mir vor allem eine Liste mit „weißen Privilegien“. Damit sind Dinge gemeint, die mir als weißem Menschen zu Gute kommen: Als Weißer bin ich zum Beispiel bisher nur von Menschen meiner eigenen Hautfarbe unterrichtet worden. Ich kann schlampige Kleidung tragen, zu spät kommen oder mit vollem Mund sprechen, ohne dass andere denken, das hätte mit meiner Hautfarbe zu tun. Wenn ich irgendwo eine Absage bekomme, dann mit Sicherheit nicht, weil ich weiß bin. Ich werde nicht ständig von fremden Personen zu meiner Herkunft und Familiengeschichte befragt. Und niemand wundert sich über meine guten Deutschkenntnisse oder lobt mich gar dafür.

All diese Privilegien stehen mir rund um die Uhr zur Verfügung, wie ein „unsichtbarer gewichtsloser Rucksack“. Das alles ist so selbstverständlich, dass ich mir kaum ausmalen kann, wie es ohne diese Privilegien wäre. Und trotzdem lohnt sich dieses Gedankenexperiment. Wie anstrengend und frustrierend muss es sein, andauernd über die Hautfarbe definiert zu werden und sich dafür rechtfertigen oder schämen zu müssen!

Natürlich bin ich nicht schuld daran, dass ich weiß bin und dadurch Vorteile habe. Meine weißen Privilegien schützen mich auch nicht vor Diskriminierung in anderen Lebensbereichen. Und weiße Menschen haben oft genauso zu kämpfen im Leben. Aber es ist eben nicht meine Hautfarbe, die mir Hindernisse in den Weg stellt.

Das zu wissen und zu bedenken, dafür bin ich schon verantwortlich. Und ich will mithelfen, auch diesen versteckten Rassismus in unserer Gesellschaft sichtbar zu machen. Damit er vielleicht überwunden werden kann eines Tages.

Diese Verantwortung habe ich auch als Christ. Das hängt auch mit Jesus Christus zusammen, von dem die Christen ja ihren Namen haben. Der hatte nämlich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht weiße Hautfarbe so wie ich.

Daniel Renz, Murr, Evangelische Kirche

Quelle: https://www.kirche-im-swr.de/?page=manuskripte&id=31744

Aufruf zum 8. Mai – Tag der Befreiung

Der Florakreis Würzburg hat mich gebeten folgendes zu verbreiten, was ich hiermit gerne tun:

Am 8. Mai jährt sich zum 75. Mal die Befreiung Deutschlands und des größten Teils Europas von Faschismus und Krieg. Allerdings hat es bis 1985 gedauert, ehe der damalige Bundespräsident Richard Weizsäcker diesen Tag als „Tag der Befreiung“ bezeichnete. Für die überlebenden Verfolgten, für die Widerstandskämpfer*innen und für die unterdrückten Völker war er dies immer. Mehr als 60 Millionen Menschen hatten die Nazi-Ideologie von „Volksgemeinschaft“, „Lebensraum im Osten“ oder „Weltherrschaft“ mit ihrem Leben bezahlt.

In Deutschland wurde und wird dieser Tag noch immer zum Teil als Tag des „Zusammenbruchs“ oder der „Niederlage“ bezeichnet. Denn die Nazis waren nie weg: sie saßen nach 1945 in Regierungen und Parlamenten oder profitierten von enteignetem, jüdischem Eigentum.

Auch heute ist diese Ideologie noch virulent, zu finden in offener Nazi-Nostalgie, in verschleiernden „Umvolkungs“-Ideen, im Rassismus der „Blauen“ und auch im Sprachgebrauch einer „enthemmten Mitte der Gesellschaft“ – in den (Un-)Sozialen Netzwerken.

In vielen Ländern Europas ist der 8. Mai ein Feiertag, im Land der Täter, Deutschland, bis heute nicht!! Es ist längst an der Zeit, dass er dies auch hierzulande wird, als symbolischer Tag des Feierns, dass der Faschismus besiegt wurde und er weiterhin keinen Platz in der Gesellschaft haben darf. Worte oder Mahnwachen allein reichen nicht, Antifaschismus muss sich auch auf der Straße und im Alltag zeigen, gegen Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit oder Verfolgung und Kriminalisierung von Antifaschist*innen.

Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!
„Für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – und Schwesterlichkeit!“ (Esther Bejarano)
Esther Bejarano, KZ-Überlebende, Vorsitzende des Auschwitz-Komitees und Mitglied der VVN/BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschisten und Antifaschistinnen) hat in einem Offenen Brief am 26.01.20 die Benennung des 8. Mai als Feiertag gefordert.

Wir unterstützen ihre Petition an die Regierenden dies umzusetzen
Die Petition kann hier unterzeichnet werden:
https://www.change.org/p/8-mai-zum-feiertag-machen-was-75-jahre-nach-befreiung-vom-faschismus-getan-werden-muss-tagderbefreiung-bkagvat-bundesrat

Leserbrief: Träger extremistischer Bestrebungen

Frau Baum schreibt, der Weg in die Diktatur sei vorgezeichnet? Er wäre es wohl, wenn man der AfD den Zeichenstift überließe. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hilft dabei, aufzudecken, wer eine Bedrohung für die freiheitlich demokratische Grundordnung ist. Es nennt nicht Frau Merkel, nicht CDU, SPD, Grüne, FDP oder Linke.

Es warnt namentlich vor Baums AfD-Parteikollegen Kalbitz und – Überraschung – Höcke. Der BfV-Präsident Thomas Haldenwang sagt in der BfV-Pressekonferenz vom 12. März 2020 wörtlich: „(…) Heute teile ich Ihnen mit, dass wir den ,Flügel’ als erwiesen extremistische Bestrebungen eingestuft haben. Das heit, die bisherigen verfassungsfeindlichen Anhaltspunkte haben sich zur Gewissheit verdichtet.

Es ist Tatsache, dass entsprechende Verstöße gegen prägende Merkmale der freiheitlichen demokratischen Grundordnung – Menschenwürde, Demokratie- und Rechtsstaatsprinzip – konstatiert werden können.

Es ist Tatsache, dass ein signifikanter Bedeutungszuwachs der maßgeblichen Träger der extremistischen Bestrebungen im ,Flügel’ – namentlich die Protagonisten Björn Höcke und Andreas Kalbitz – gegeben ist. Beide Personen sind Rechtsextremisten (…).“ Nachzulesen auf www.verfassungsschutz.de. Dort rechts oben ins Suchfeld „12.3.2020“ eingeben. Der gesamte Vortrag ist beachtenswert!

AfD-Ehrenvorsitzender Gauland sagte, er sehe Höcke „in der Mitte der Partei“. Einen vom Verfassungsschutz benannten und beobachteten Rechtsextremisten.

Muss man da noch rätseln, wie weit rechts die AfD steht? Wohl kaum.

Wer die AfD, wer Baum wählt, wählt damit also auch Rechtsextremisten.

Hendrik Beierstettel, Tauberbischofsheim

Aus den Fränkischen Nachrichten vom 25.04.2020 und mit freundlicher Genehmigung der Autors.

Leserbrief: Das ist nur noch widerlich und abstoßend

Frau Dr. Baum behauptet, dass die AfD mit all ihren Strömungen inklusive Björn Höcke und seiner Anhänger, sich durch die „Liebe zu unserem Volk und Vaterland“ von allen anderen Parteien unterscheide.

Dieser opferhaft dargestellte Herr Höcke sprach vor kurzem mit maßloser Schamlosigkeit und Menschenverachtung davon, dass politische Gegner seiner AfD-internen Gruppe „ausgeschwitzt“ werden müssten, das Wortspiel zwischen „ausschwitzen“ und „Auschwitz“ bewusst verwendend. Kritiker des „Flügels“ um Höcke sind unter anderem Institutionen wie das Bundeamt für Verfassungschutz, also unsere Demokratie schützende Strukturen.

Ich bin mit gutem Humor ausgestattet, aber bei Höckes Wortspiel wird es mir eiskalt.

Es steht Frau Dr. Baum nicht gut, einen Mann zu verteidigen, der mit dem Bild spielt, dass seine politischen Gegner wie zu Zeiten des Nationalsozialismus ausgerottet werden sollten. Das ist mörderisches Potenzial, das ist nur noch widerlich und abstoßend. Und mit „Liebe zu unserem Volk und Vaterland“ hat das nichts mehr zu tun.

Was aktuell in unserer Gesellschaft geleistet wird (wo ist eigentlich gerade die AfD???), mit allem notwendigen demokratischen Diskurs über das richtige Maß an Einschränkungen und Unterstützungen, an bestmöglicher Einhaltung der Menschenrechte, macht mich wieder mal stolz auf unser Land, in dem alle Menschen, auch Landesgrenzen überschreitend, bestmöglich Hilfe und Schutz bekommen sollen.

Demokratie misst sich am Schutz der Schwachen.

Dies geschieht aus Liebe zu unserem Volk und Vaterland und zu allen Menschen, und das ist das Gegenteil von Auschwitz!

Dr. Gerda Sutthoff, Niederstetten

Aus den Fränkischen Nachrichten vom 25.04.2020 und mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Leserbrief: Das ist Rassismus in uralter Verpackung

Die AfD und der stelbstgestrickte Opfermythos – das läuft offenbar noch immer und wohl erst recht jetzt zu Zeiten der Coronakrise, da alle Standardthemen der AfD weit im politischen Hintergrund sind: Mittlerweile gibt’s mehr Grenzen, als die AfD je gefordert hat, die für alles Übel verantwortlichen Flüchtlinge bleiben auch aus, Kriminalität ist derzeit auch kein Thema.

Da bleibt wohl nur, dass eine AfD-lerin öffentlich den anderen aus der gleichen Partei bemitleidet. Angeblich sei die große Klammer des Wirkens der AfD die Liebe zum Volk. Diese völkische Idee hatten wir schon einmal in Deutschland, ich kann dazu nur sagen: Nein Danke!

Diese Volkstümelei ist nicht bloß irgendeine komische Idee, sondern eine Ideologie, die eine biologische Grenze zieht zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen. Wer nicht deutsch ist, wird diskriminiert und entwertet. Dass es auch noch viel mörderischer zugehen kann, wissen wir.

Wer von der Liebe zum Volk spricht, meint auch gleichzeitig die Ausgrenzung von allen anderen Menschen mit, die man nicht zum Volk rechnet. Konkret bedeutet es zum Beispiel: „ … Nur der steuerfinanzierte Staatsbürgeraufschlag wird ausschließlich an deutsche Staatsbürger ausgezahlt“, heißt esim Rentenpapier der AfD, der türkische Fließbandarbeiter oder der italienische Bäcker sollen schlechter gestellt werden, allein weil sie nicht deutschen Blutes sind.

Worauf es aber in jedem Staatswesen ankommt, ist der Respekt, die Wertschätzung und Solidarität gleichermaßen für alle Menschen, egal, welcher Volkszugehörigkeit. Alles andere endet in Bürgerkrieg mit all seinen tödlichen Folgen.

Joachim Lodders, Impfingen

Aus den Fränkischen Nachrichten vom 25.04.2020 und mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Alle Veranstaltungen abgesagt

Aufgrund der Corona-Pandemie und der daraus resultierenden gesetzlichen Vorschriften müssen wir sowohl die Arbeitssitzung am 7. April als auch den Workshop am 29. April leider absagen und auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.