Solidarität mit Odenwald gegen Rechts

Das Netzwerk gegen Rechts Main-Tauber hält es für sehr bedenklich, dass sich die Stadt Erbach aus falsch verstandener Neutralitätspflicht aus Odenwald gegen Rechts zurückzieht. Demokraten können und dürfen gegenüber rechtsextremen, antidemokratischen, antisemitischen und rassistischen Bestrebungen nicht neutral sein. Sie sollten sich vielmehr gegen solche Tendenzen zusammenschließen und diese entschieden bekämpfen. Sonst könnte der Eindruck entstehen, dass Rechtsextremismus salonfähig ist. Wir würden es begrüßen, wenn die Stadt Erbach ihren Rückzug aus Odenwald gegen Rechts noch einmal überdenken und weiter darin mitwirken würde.

Leserbrief 22.05.2021

Unsere Antwort auf einen Leserbrief von C. Baum von der noAfD:

So ist das also nach Meinung von Dr. Baum: Wenn sie kritisiert, ist das Kritik. Wenn sie kritisiert wird, ist das „diskreditieren“, markieren und „an den Pranger“ stellen. Das von ihr so angegriffene Netzwerk gegen Rechts Main-Tauber lässt sich dadurch nicht davon abbringen zu sagen, was ist. Ihre Selbstbeschreibung als „bürgerlich-konservativ“ ist eine groteske Schönfärberei. Richtig ist, dass Frau Dr. Baum dem vom Verfassungsschutz beobachteten und offiziell aufgelösten rechten Flügel der AfD zuzurechnen ist.

In ihrem Leserbrief versucht Dr. Baum das Netzwerk gegen Rechts Main-Tauber als aus dem Landeshaushalt von Baden-Württemberg bezahlt darzustellen indem sie schreibt „dass viele dieser ´Netzwerke gegen Rechts´ (…) von unseren Steuergeldern finanziert werden“. Dass dies auf das NGRMT nicht zutrifft, müsste sie eigentlich wissen. Denn auf Ihre eigene Kleine Anfrage an die Landesregierung vom 19.12.2018 antwortete ihr das Innenministerium, dass dies nicht der Fall ist (Landtagsdrucksache 16/5433).

Monitor vom 18.02.2021

In Ostdeutschland werden mehrere AfD-Landesverbände vom Verfassungsschutz beobachtet. Auch im Westen hat der rechtsextreme Parteiflügel eine starke Basis. Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg treten für die AfD auch Kandidatinnen und Kandidaten an, die unter anderem mit Rassismus und Verschwörungsglauben aufgefallen sind.

Der Bericht geht auch auf die AfD-Kandidatin vor Ort, Dr. C. Baum, ein.

https://www.ardmediathek.de/ard/video/monitor/extrem-rechts-im-westen-afd-kandidierende-in-baden-wuerttemberg/das-erste/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLTRlMmNjMTI3LWY4OTktNDkxMC1hYjJmLWMzMjFlMzI3MmRkMA/

Versteckter Rassismus

Rassismus. Bisher war immer klar für mich: Damit habe ich nichts zu tun. Wenn andere über „die Ausländer“ sprechen oder wenn Menschen wegen ihrer Hautfarbe blöd hinterhergerufen wird, dann distanziere ich mich natürlich davon. Manchmal sage ich auch was. Aber reicht das?

Vor ein paar Wochen habe ich ein Buch dazu gelesen: „exit RACISM“. Die Autorin Tupoka Ogette ist Schwarze Deutsche und Rassismusforscherin. Zusammen mit anderen sagt sie: Rassismus ist in unserer deutschen Gesellschaft so tief verankert, dass weiße Menschen ihn gar nicht mehr erkennen können. Und das gilt vielleicht gerade für die, die Rassismus entschieden von sich weisen und sagen: Damit habe ich doch nichts am Hut.

Die Augen geöffnet hat mir vor allem eine Liste mit „weißen Privilegien“. Damit sind Dinge gemeint, die mir als weißem Menschen zu Gute kommen: Als Weißer bin ich zum Beispiel bisher nur von Menschen meiner eigenen Hautfarbe unterrichtet worden. Ich kann schlampige Kleidung tragen, zu spät kommen oder mit vollem Mund sprechen, ohne dass andere denken, das hätte mit meiner Hautfarbe zu tun. Wenn ich irgendwo eine Absage bekomme, dann mit Sicherheit nicht, weil ich weiß bin. Ich werde nicht ständig von fremden Personen zu meiner Herkunft und Familiengeschichte befragt. Und niemand wundert sich über meine guten Deutschkenntnisse oder lobt mich gar dafür.

All diese Privilegien stehen mir rund um die Uhr zur Verfügung, wie ein „unsichtbarer gewichtsloser Rucksack“. Das alles ist so selbstverständlich, dass ich mir kaum ausmalen kann, wie es ohne diese Privilegien wäre. Und trotzdem lohnt sich dieses Gedankenexperiment. Wie anstrengend und frustrierend muss es sein, andauernd über die Hautfarbe definiert zu werden und sich dafür rechtfertigen oder schämen zu müssen!

Natürlich bin ich nicht schuld daran, dass ich weiß bin und dadurch Vorteile habe. Meine weißen Privilegien schützen mich auch nicht vor Diskriminierung in anderen Lebensbereichen. Und weiße Menschen haben oft genauso zu kämpfen im Leben. Aber es ist eben nicht meine Hautfarbe, die mir Hindernisse in den Weg stellt.

Das zu wissen und zu bedenken, dafür bin ich schon verantwortlich. Und ich will mithelfen, auch diesen versteckten Rassismus in unserer Gesellschaft sichtbar zu machen. Damit er vielleicht überwunden werden kann eines Tages.

Diese Verantwortung habe ich auch als Christ. Das hängt auch mit Jesus Christus zusammen, von dem die Christen ja ihren Namen haben. Der hatte nämlich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht weiße Hautfarbe so wie ich.

Daniel Renz, Murr, Evangelische Kirche

Quelle: https://www.kirche-im-swr.de/?page=manuskripte&id=31744

Aufruf zum 8. Mai – Tag der Befreiung

Der Florakreis Würzburg hat mich gebeten folgendes zu verbreiten, was ich hiermit gerne tun:

Am 8. Mai jährt sich zum 75. Mal die Befreiung Deutschlands und des größten Teils Europas von Faschismus und Krieg. Allerdings hat es bis 1985 gedauert, ehe der damalige Bundespräsident Richard Weizsäcker diesen Tag als „Tag der Befreiung“ bezeichnete. Für die überlebenden Verfolgten, für die Widerstandskämpfer*innen und für die unterdrückten Völker war er dies immer. Mehr als 60 Millionen Menschen hatten die Nazi-Ideologie von „Volksgemeinschaft“, „Lebensraum im Osten“ oder „Weltherrschaft“ mit ihrem Leben bezahlt.

In Deutschland wurde und wird dieser Tag noch immer zum Teil als Tag des „Zusammenbruchs“ oder der „Niederlage“ bezeichnet. Denn die Nazis waren nie weg: sie saßen nach 1945 in Regierungen und Parlamenten oder profitierten von enteignetem, jüdischem Eigentum.

Auch heute ist diese Ideologie noch virulent, zu finden in offener Nazi-Nostalgie, in verschleiernden „Umvolkungs“-Ideen, im Rassismus der „Blauen“ und auch im Sprachgebrauch einer „enthemmten Mitte der Gesellschaft“ – in den (Un-)Sozialen Netzwerken.

In vielen Ländern Europas ist der 8. Mai ein Feiertag, im Land der Täter, Deutschland, bis heute nicht!! Es ist längst an der Zeit, dass er dies auch hierzulande wird, als symbolischer Tag des Feierns, dass der Faschismus besiegt wurde und er weiterhin keinen Platz in der Gesellschaft haben darf. Worte oder Mahnwachen allein reichen nicht, Antifaschismus muss sich auch auf der Straße und im Alltag zeigen, gegen Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit oder Verfolgung und Kriminalisierung von Antifaschist*innen.

Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!
„Für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – und Schwesterlichkeit!“ (Esther Bejarano)
Esther Bejarano, KZ-Überlebende, Vorsitzende des Auschwitz-Komitees und Mitglied der VVN/BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschisten und Antifaschistinnen) hat in einem Offenen Brief am 26.01.20 die Benennung des 8. Mai als Feiertag gefordert.

Wir unterstützen ihre Petition an die Regierenden dies umzusetzen
Die Petition kann hier unterzeichnet werden:
https://www.change.org/p/8-mai-zum-feiertag-machen-was-75-jahre-nach-befreiung-vom-faschismus-getan-werden-muss-tagderbefreiung-bkagvat-bundesrat